Nachdem im ersten Wahlgang kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen konnte, treten jetzt zur Stichwahl am 13. Juli, Martin Lackner (CSU) und Andreas Danzer (Freie Wähler) gegeneinander an.
Bleibt der Klimaschutz im Landkreis damit auf der Strecke? Was ist von den Bewerbern zu erwarten?
Das haben wir, die Regionalgruppe Traunstein der Scientists for Future die beiden Kandidaten gefragt. Hier finden Sie die Fragen und die Antworten. Wir hoffen, mit diesem Beitrag der Wählerschaft eine Orientierung geben zu können, weisen aber darauf hin, dass die Scientists for Future eine überparteiliche und unabhängige Organisation sind, die keinerlei Wahlempfehlungen abgibt.
Sehr geehrter Herr Lackner, sehr geehrter Herr Danzer,
der Klimawandel ist bereits auch bei uns in der Region deutlich spürbar: Hitzewellen, Trockenheit und heftige Unwetter mit Überschwemmungen nehmen an Intensität und Häufigkeit zu. Klimaschutz bedeutet Schutz der Bevölkerung. Deshalb ist dieses Thema sehr wichtig und die Erwartung diesbezüglich an den neuen Landrat hoch.
Wir möchten gerne erfahren, wie Sie zum Thema Klimaschutz stehen und wie Sie sich diesbezüglich von Ihrem Wettbewerber unterscheiden.
Wie ist Ihr persönlicher Bezug zum Thema Klimaschutz?
Martin Lackner:
„Als Bürgermeister – und hoffentlich bald als Landrat – sehe auch ich mich in der Verantwortung, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Ich bin in einer Region aufgewachsen, die von Landwirtschaft, Wäldern und Naturräumen geprägt ist – umso deutlicher nehme ich die Veränderungen durch den Klimawandel wahr. Für mich steht fest: Klimaschutz ist keine ideologische Frage, sondern eine der praktischen Vernunft und Generationengerechtigkeit. Wir müssen das, was wir vor Ort gestalten können, auch mutig anpacken.“
Andreas Danzer:
„Überlebenswichtig für unsere Kinder und die Folgegenerationen.“
Welchen Beitrag kann der Landkreis Traunstein leisten, um die vereinbarten Klimaziele zu erreichen? Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie unternehmen?
Martin Lackner:
„Der Landkreis hat als öffentlicher Akteur und Partner der Kommunen eine wichtige Steuerungsfunktion. Als Landrat möchte ich insbesondere:
- Ich setze mich für einen ausgewogenen Energiemix aus Geothermie, Biomasse, Wind, Wasser und Sonne ein.
- Die energetische Sanierung kreiseigener Liegenschaften konsequent umsetzen.
- Den ÖPNV attraktiver machen, besonders durch Taktverdichtungen, verbesserte Busverbindungen und digitale Lösungen im ländlichen Raum.
- Den Radverkehr stärken – mit einem alltagstauglichen, gemeindeübergreifenden Radwegenetz.“
Andreas Danzer:
„Umstellung aller Heizsysteme in den Landkreisgebäuden auf erneuerbare Energieformen, weg vom Öl. Auf alle landkreiseigenen Gebäude Photovoltaikanlagen mit Stromspeicher, Digitalisierung des Verbrauchs zur effizienteren Nutzung. Windkraft dort wo möglich. Trinkwasserbrunnen an allen öffentlichen Gebäuden. Wasserverbrauch reduzieren durch intelligente Steuerung des Wasserverbrauchs.“
Wie planen Sie die Gesundheit der Bevölkerung im Landkreis zu schützen bei steigenden Temperaturen, längeren Trockenperioden, Waldbrandgefahren, Starkregen und Hagel?
Martin Lackner:
- „Kommunale Hitzeschutzpläne – insbesondere für Pflegeeinrichtungen, Schulen und vulnerable Gruppen.
- Grüne Infrastruktur in Städten und Gemeinden: Bäume, Entsiegelung, kühlende Freiflächen.
- Verbesserter Bevölkerungsschutz und Krisenmanagement: Hochwasserschutz, Frühwarnsysteme, klare Zuständigkeiten bei Extremwetter.
- Unterstützung der Feuerwehren und Forstbetriebe beim vorbeugenden Waldbrandschutz.
- Nachhaltiges Wassermanagement zur besseren Vorsorge gegen Trockenperioden und Starkregen.
Ich stehe für eine Politik des Machens statt Redens. Der Landkreis Traunstein soll beim Umwelt- und Klimaschutz vorangehen – pragmatisch, bodenständig und gemeinsam mit den Menschen vor Ort.“
Andreas Danzer:
„Aufbau eines Frühwarnsystems für Unwetter und Hitzeperioden, Umbau des heimischen Waldes in hitzeresistentere Baumarten, Tiefwurzler, wie Weißtanne und Douglasie. Nutzung von Bäumen als Schattenspender sowohl in den Gärten als auch innerorts. Zur Hagelabwehr Impfung Silberjodid-Acetongemisch. Bau von Trinkwasserspeicher.“
Kommentar von S4F, Regionalgruppe Traunstein
Wir bedanken uns für die kurzfristigen Antworten, die durchaus unterschiedlich ausgefallen sind. Neben bekannten Allgemeinplätzen zum Klimaschutz finden sich konkrete Ideen, die das Potenzial haben, den Landkreis weiterzubringen und die dringend umgesetzt werden müssen. In der Kürze der Zeit ist es an dieser Stelle nicht möglich, die Vorschläge hinsichtlich ihrer Durchführbarkeit und Effizienz einzeln ausführlich zu bewerten, auch in Frage zu stellen und auch Defizite aufzuzeigen.
Wir möchten den dann gewählten Landrat beim Wort nehmen und halten die Einrichtung eines runden Tisches zum Klimaschutz für dringend erforderlich. Das ist eine Plattform, an der sich Bürgerinnen und Bürger, die Politik, die Wirtschaft, soziale und kirchliche Träger zusammensetzen und gemeinsam versuchen, sich den gewaltigen Herausforderungen, die der Klimaschutz und der Klimafolgenschutz für uns und unsere künftigen Generationen bedeutet, zu stellen und gemeinsam nach zukunftsfähigen Lösungen zu suchen.